„Alexander“ – Ein ganz eigenes Schulmusical entsteht: Vom Probenlager bis zur Uraufführung
Nach der erfolgreichen Uraufführung am 2. Oktober 2025 blickt das Künstlerische Profil Klasse 9 auf ein intensives, kreatives und lehrreiches Jahr zurück. Das selbst verfasste Schulmusical „Alexander“ – mit eigens komponierter Musik, selbst entwickelten Bühnenbild, mit Texten, teilweise im Originaljargon des 18. Jahrhunderts und beeindruckender Schülerleistung, zeigte einmal wieder, wie wichtig kulturelle Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen ist.

Die Arbeit am Stück begann bereits im November 2024. Das Textbuch wurde von Frau Bohne fortlaufend weiterentwickelt, während Szenen und Musik Gestalt annahmen. Im Januar kam Gabriele Bocek (Mondstaubtheater Zwickau), die bereits einige Jahre mit unserer Schule erfolgreich zusammenarbeitet hinzu und übernahm die Regie des Stücks, aber zeigte auch Kniffe, wie man beispielsweise eine Prügelszene überzeugend darstellt oder wie man eine große Bühne mit Präsenz bespielt, also als Schüler aus sich herausgeht. Ab Mai 2025 erhielten die Solisten (Oliver Kloß und Robin Unger) zusätzlich regelmäßig Stimmbildung an Freitagnachmittagen, um ihre Gesangspartien zu meistern.
Vom 15. bis 17. September 2025 fand das Probenlager in der Jugendherberge Schöneck statt – und spätestens dort wurde allen klar, welche Mammutaufgabe dieses Projekt tatsächlich war. Der Begriff „Lager“ bekam eine ganz neue Bedeutung: drei Tage voller konzentrierter Proben, schauspielerischer Arbeit, musikalischer Feinarbeit und vor allem Teamgeist.


Um ihre Rollen wirklich verstehen und überzeugend verkörpern zu können, beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Geschichte um 1793 – der Zeit der Französischen Revolution und der Mainzer Republik, also dem ersten demokratischen Versuch auf deutschem Boden. Sie tauchten ein in die Ideenwelt der Aufklärung, in der Vernunft, Freiheit, Bildung und Menschenwürde zentrale Werte waren.
Deshalb wurde auch die Bedeutung Joachim Heinrich Campes als Freund der Familie durch eine Rolle bedacht (gespielt von Yannick Franz). Dessen Schriften und seine Vorstellung von Bildung als Weg zur Mündigkeit der Menschheit prägten die beiden Brüder Alexander (gespielt von Siya Gangaroy und Robin Unger) und Wilhelm von Humboldt (Theo Dörrer/Jennifer Rubbino).
Die Musik und alle Liedtexte stammen aus der Feder unseres Musiklehrers Dr. Schneider, weshalb ihm auch ein besonderer Dank für dessen außergewöhnliches Engagement gebührt.
Die Kulissen und Requisiten wurden von der Kunstgruppe unter Leitung von der Schülerin Melanie Rudert gestaltet – mit großem Ideenreichtum, viel Detailarbeit und bemerkenswertem Einsatz. Das meiste Material wurde dabei teilweise privat von den Jugendlichen selbst finanziert, manche Bearbeitungstechnik wurde eigens mithilfe von YouTube-Videos erlernt. Dafür gab es in der Humboldt-Woche einen „Bühnenbild“-Bautag, den die gesamte Klassenstufe 9 gestaltete. Viele Schüler, die sportliches oder gesundheitswissenschaftliches Profil machten, sahen den Tag als eine gelungene Abwechslung zum Schulalltag, denn man tat das, was am Gymnasium meist ausbleibt: das Weiterentwickeln handwerklicher Fähigkeiten, wie Bohren, Hämmern, Baupläne erstellen oder ressourcenschonend zu arbeiten.


Für die Lichttechnik am 1.10. und 2.10. sorgte Till Orlich (Klasse 10/1), der mit seiner Erfahrung und Zuverlässigkeit wie immer das Bühnenbild ins rechte Licht setzte – Ein herzliches Dankeschön für dieses Engagement!
Auch organisatorisch war das Projekt eine Herausforderung: Die Hauptrollen waren doppelt besetzt, was sich als äußerst hilfreich erwies. Zur Uraufführung musste der zweite „Wilhelm von Humboldt“ (Theo Dörrer) leider krankheitsbedingt pausieren – besonders schade, da auch er die Rolle sehr ausdrucksstark erlernt hatte.
Insbesondere deshalb Texte stellten hohe Anforderungen: Viele Passagen waren sprachlich anspruchsvoll und enthielten Begriffe aus der Zeit der Aufklärung – etwa „Vortrefflich“, „Nationalkonvent“ oder „Naturverständnis“. Diese historisch stimmig und zugleich lebendig aufzuführen, war eine beachtliche Leistung aller Beteiligten.
Am Ende entstand ein Werk, das Geschichtsverständnis, Musik und Theaterkunst in außergewöhnlicher Weise vereint – ganz im Sinne des Namensgebers unserer Schule, Alexander von Humboldt.
Es zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Partner mit Leidenschaft, Kreativität und gegenseitigem Vertrauen gemeinsam an einem Ziel arbeiten.
Gerade solche Projekte machen deutlich, wie unverzichtbar Kunst, Musik und kreative Arbeit für die Entwicklung junger Menschen sind:
Sie fördern Ausdruckskraft, Empathie, Teamfähigkeit und Selbstvertrauen – Kompetenzen, die weit über den Unterricht hinauswirken.
Künstlerisches Arbeiten öffnet Räume des Denkens, Fühlens und Gestaltens, in denen Jugendliche lernen, ihre Stimme zu finden und Verantwortung für ein gemeinsames Ganzes zu übernehmen.
Darum gilt: Kulturelle Bildung gehört gestärkt, unterstützt und ausgebaut – als Herzstück einer ganzheitlichen Schule, die junge Menschen nicht nur bildet, sondern wachsen lässt.







